YNSA
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Auszug aus ZTCM 2/2011

Analgesie mittels YNSA
Falldarstellungen zur Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA) im kassenärztlichen Notdienst und in der Notfallmedizin

Thomas Schockert

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Research Article

The Problem of Metal Needles in Acupuncture
- fMRI Studies

Florian Beissner, Ulrike Noth, Thomas Schockert

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Acupunct Med published online October 5, 2010

Cortical activation by Yamamoto new scalp acupunctur in the treatment of patients with a stroke: a sham- controlled study using functional MRI

T. Schockert, R Schnitker, B Boroojerdi, et al.

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Auszug aus Dt Ztschr f Akup. 53, 4/2010

Integration von Yamamoto Neuer Schädelakupunktur (YNSA) in die Notfallmedizin
- Falldarstellung zur Analgesie mittels YNSA

Integration of Yamamoto New Scalp Acupuncture
(YNSA) into Emergency Medicine
– Case Study on Analgesia by Means of YNSA

Thomas Schockert

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Auszug aus Dt Ztschr f Akup. 53, 2/2010

Neurophysiologische Korrelate der Wirkung von YNSA bei Patienten mit chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates
YNSA-Grundlagenforschung mittels PET-CT

Neurophysiological Correlates of the Effect of YNSA in Patients with Chronic Pain of the Locomotor System
Basic YNSA research by means of PET-CT

Thomas Schockert, Florian Beissner

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Neurophysiological Correlates of the Effect of YNSA for Patients with Chronic Pain of the Locomotor System Basic
YNSA Research by Means of PET-CT

Neurophyiologische Korrelate der Wirkung von YNSA bei Patienten mit chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates
YNSA-Grundlagenforschung mittels PET-CT

Thomas Schockert, Florian Beissner

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Cortical Activation by Yamamoto New Scalp Acupuncture (YNSA) in the Treatment of Stroke Patients
A Sham-controlled Study aided by Functional Magnetic Resonance Imaging (fMRI)

Kortikale Aktivierungen durch Yamamoto Neue Schdelakupunktur (YNSA) in der Behandlung von Schlaganfallpatienten
Eine Sham-kontrollierte Studie mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie (fMRI)

Thomas Schockert, Ralph Schnitker, Babak Boroojerdi, Klaus Vietzke, Im Qua-Smith, Toshikatsu Yamamoto, Frank Kastrau

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Auszug aus “ZTCM - 03/2009”

Wirksamkeit der neuen YNSA Hirnnervenpunkte bei Schmerzen am Bewegungsapparat – eine offene prospektive Studie

Thomas Schockert, Jürgen Arns

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Auszug aus “Dt Ztschr f Akup. 52, 3/2009”

Was ist möglich mit YNSA?
Expertenbefragung DZA

What can be Achieved by Using Yamamoto New Scalp Acupuncture (YNSA)?
Expert Evidence

Thomas Schockert

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What can be achieved by using Yamamoto New Scalp Acupuncture (YNSA)?

Survey of Experts for the Journal “Deutsche Zeitschrift für Akupunktur” (DZA)
Expert evidence

Thomas Schockert

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Auszug aus “Dt Ztschr f Akup. 52, 1/2009”

Kortikale Aktivierungen durch Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA) in der Behandlung von Schlaganfallpatienten

Eine Sham-kontrollierte Studie mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie (fMRI)

T. Schockert, R. Schnitker, B. Boroojerdi, K. Vietzke,
I. Qua Smith, T. Yamamoto, F. Kastrau

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Auszug aus “Dt Ztschr f Akup. 51, 4/2008”

Diagnostischer und therapeutischer Einsatz der YNSA im Rettungsdienst bei akuter Dyspnoe

Yamamoto New Scalp Acupuncture as Diagnostic and Therapeutic Tool in an Emergency Case of Acute Dyspnea

Thomas Schockert

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Auszug aus “ZTCM - 04/2008”

Regulationsdiagnostik nach Prof. Dr. Fritz-Albert Popp
– Diagnose, Therapie- und Verlaufkontrolle durch objektive Messmethodik in der Akupunktur -

Thomas Schockert, Alexander Popp, Fritz-Albert Popp

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Aus “BIO 1/2009”

Regulationsdiagnostik
Die Sprache unserer Zellen
Wie sich Gesundheit und Krankheit messen lassen

Ein Gratisheft des laufenden Jahres kann angefordert werden beim:
BIO Ritter Verlag, Monatshauser Str. 8, 82327 Tutzing
Tel: +49 (8158) 8021, Fax: +49 (8158) 7142
EMail: bioritter@aol.com

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Auszug aus “ZTCM - 03/2008”

YNSA und Spiegeltherapie in der Schlaganfallbehandlung
– Falldarstellung –

Thomas Schockert, Beatrix Schneider

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Treatment of juvenile stroke using Yamamoto New Scalp Acupuncture (YNSA)
a case report

Toshikatsu Yamamoto, Thomas Schockert, Babak Boroojerdi

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Poster02

Eine neue wissenschaftliche Studie

 

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Deutsche Zeitschrift für Akuppunktur - Supplement 2

Neue Akupunkturnadeln für Kernspinforschung

Für die Beurteilung von Wirksamkeit und Wirkweise der Akupunktur gewinnen kontrollierte Studien mit Hilfe der funktionellen Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT) zunehmend an Bedeutung. Herkömmliche Akupunkturnadeln aus Metall sind hierfür nicht geeignet. Mit Hilfe einer neuen für MRT-geeigneten Akupunkturnadel ist nun die Untersuchung von Körper und Schädelakupunktur im funktionellen Kernspin möglich.

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Auszug aus “ZTCM - 02/2007”

Erfolgreicher Einsatz der Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA) im Rettungsdienst

Adjuvanter Einsatz der Yamamoto Neuen Schädelakupunktur (YNSA) bei akuten rechtsseitigen Thoraxschmerzen im Notarztdienst.

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Auszug aus “KIM - Komplement. integr. Med. - 10/2007”

Porträt einer besonderen Akupunkturmethode: Yamamoto Neue Schdelakupunktur

YNSA – Individualtherapie durch Halsdiagnostik

Die Yamamoto New Scalp Acupuncture setzt sich international immer mehr durch, nicht zuletzt wegen des besonderen Engagements ihres Entdeckers. Sie arbeitet über in sich geschlossene Somatotope, die vorwiegend am Kopf lokalisiert sind. Kleinste Veränderungen in diesen Regionen lassen den Therapeuten auf die zu nadelnden Areale schliessen. Der Artikel gibt einen ersten Einblick in Geschichte und Grundlagen der Methode.

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BIO Zeitschrift02

Auszug aus
“BIO - Sonderdruck
Februar/März Nr. 1/2006”

Heilende Nadeln gegen Schmerzen, Lähmungen, Rücken- und Gelenkbeschwerden

Akupunkturnadeln auf dem Kopf – das ist für manchen eine ungewöhnliche Vorstellung. Dem japanischen Arzt Dr. Toshikatsu Yamamoto gelang es, fünf so genannte Basispunkte und zwölf kleine Y-Punkte zu lokalisieren. Damit war die YNSA, die Yamamoto Neue Schdelakupunktur, geboren. Eine Methode, die sich auch in scheinbar hoffnungslosen Fällen oft als erfolgreich erwiesen und weithin Anerkennung gefunden hat.

 

 

 

 

 

 

Thomas Schockert, Babak Boroojerdi, Toshikatsu Yamamoto, Günter Schumpe

Erfolgreiche Behandlung von Schlaganfällen durch
Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA) -
eine offene, prospektive, topometrisch kontrollierte Studie

 

 

 

Zusammenfassung
Der apoplektische Insult stellt nach der koronaren Herzerkrankung und den Malignomerkrankungen in Deutschland Todesursache Nummer drei dar. Wegen fehlender effizienter schulmedizinischer Behandlungskonzepte sind Schlaganfälle die häufigste Ursache von Invalidität im Alter. Rund 20 Prozent der Betroffenen versterben unmittelbar an den Folgen des Insultes. Da die Lyse-Therapie nur einem Bruchteil der betroffenen Patienten zur Verfügung steht, kann YNSA hier eine wertvolle Bereicherung der bestehenden Versorgungsstrategien darstellen. Insbesondere auch auf den möglichen volkswirtschaftlichen Nutzen der YNSA in der Schlaganfalltherapie soll in dieser Studie eingegangen werden.
Ziel der hier vorgelegten Pilotstudie war es, die Effizienz der YNSA bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten mit Hilfe des objektiven Messverfahrens der Topometrie zu zeigen.

Methode
23 Schlaganfallpatienten wurden unmittelbar vor der YNSA neurologisch untersucht. Die Beweglichkeit eines restparetischen Armes oder Beines wurde in der Topometrie dreidimensional und objektiv dokumentiert. Nach der YNSA-Behandlung wurden die Patienten erneut neurologisch und topometrisch begutachtet. Unmittelbar nach der Therapie und 3 Wochen später wurden die Patienten über ihren subjektiven Eindruck befragt.

Ergebnisse
In der Topometrie zeigten 14 von 23 Behandelten eine deutlich bessere Beweglichkeit nach einmaliger YNSA-Behandlung. Subjektiv hielt dieser positive Effekt bis zu 17 Tage lang an. In der neurologischen Untersuchung konnte eine Verbesserung der Beweglichkeit von Arm oder Bein vor und nach Akupunktur nicht verifiziert werden.

Schlussfolgerung
Für die Behandlung des apoplektischen Insultes stehen mit Ausnahme der Lyse keine effizienten Therapien bereit. YNSA bietet eine wertvolle Bereicherung bestehender Therapiekonzepte. Patienten profitieren subjektiv und objektiv nachweisbar von YNSA. Daher sollte die einfach anzuwendende YNSA möglichst frühzeitig – zum Beispiel schon im Rettungsdienst – eingesetzt werden. Zusätzlich entstünde mit erfolgreicher YNSA-Behandlung auch ein erheblicher volkswirtschaftlicher Nutzen, etwa durch ein Wegfallen von Pflegebedürftigkeit oder Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess.

Schlüsselwörter
Yamamoto Neue Schädelakupunktur, Topometrie, Schlaganfallbehandlung

Abstract
Thomas Schockert, Babak Boroojerdi, Toshikatsu Yamamoto, Günter Schumpe

Successful treatment of stroke by Yamamoto New Scalp Acupuncture (YNSA)
An open prospective topometrically controlled study

Summary
After coronary heart disease and carcinoma diseases, apoplectic insult is the third major cause of death in Germany. Due to a lack of efficient treatment concepts in classical medicine, strokes are the most frequent cause of invalidity in old age. Twenty percent of those affected die immediately as a result of the insult. Since only a minority of patients have access to lysis therapy, YNSA can represent a valuable complement to existing treatment strategies. In particular, this study also focuses on the benefits to the national economy of YNSA in stroke therapy.
The aim of the pilot study presented here was to show the efficiency of YNSA in treating stroke patients with the aid of topometry.

Method
Twenty-three stroke patients were examined neurologically immediately prior to YNSA. The mobility of the arms or legs with residual paralysis was documented objectively by topometry in three dimensions. After YNSA treatment, the patients were assessed neurologically and topometrically once again. The patients were questioned about their subjective impressions immediately after therapy and then three weeks later.

Results
The topometric examination showed that 14 of the 23 patients displayed significantly improved mobility after a single treatment with YNSA. Subjectively, this positive effect continued for up to 17 days. In the neurological examination, it was not possible to verify an improvement in the mobility of the arm or leg before and after acupuncture.

Conclusion
With the exception of lysis, no efficient therapy is available for the treatment of apoplectic insult. YNSA represents a valuable complement to existing therapy concepts. It can be demonstrated that patients benefit subjectively and objectively from YNSA. YNSA, which is simple to apply, should therefore be employed at the earliest possible stage – for example by the emergency services. Furthermore, successful YNSA treatment would lead to considerable economic benefits, for instance by eliminating the need for nursing care and by achieving reintegration into working life.

Keywords
Yamamoto New Scalp Acupuncture, topometry, stoke treatment

Einleitung
In Deutschland ist der apoplektische Insult Todesursache Nummer drei nach der koronaren Herzerkrankung und den Malignomerkrankungen. Schlaganfälle sind die häufigste Ursache von Invalidität im Alter. Rund 20 Prozent der Betroffenen versterben unmittelbar am Ereignis des apoplektischen Insultes. 70 Prozent bleiben lebenslang körperlich eingeschränkt und sind teils auf Pflege angewiesen [11]. Die Basistherapie des akuten ischämischen Insultes sieht die Aufrechterhaltung eines hochnormalen Blutdrucks, das Offenhalten der Atemwege mit Kontrolle der Atemfunktion, die Einstellung einer Normoglykämie, die Optimierung der Herzauswurfleistung, die Senkung der Körpertemperatur, Senkung des Hirndrucks, pflegerische Massnahmen zur Aspirationsprophylaxe und Frühmobilisation vor 3.
Die Lysetherapie als einziges ursachenorientiertes schulmedizinisches Therapiekonzept steht jedoch nur einem Bruchteil der Betroffenen zur Verfügung. In einem Zeitraum von 18 Monaten wurden in Köln im Rahmen einer Studie 4032 Patienten mit der Verdachtsdiagnose „akuter Schlaganfall“ stationär aufgenommen. Von den 453 Patienten, die der akuten Lysetherapie zugewiesen wurden, erfüllten nur 100 die Kriterien für eine systemische Lyse mit rT-PA (recombinant tissue plasminogen activator). Die Kriterien sind: Symptombeginn vor weniger als drei Stunden, Alter unter achtzig Jahren, keine schwere Bewusstseinsstörung [8]. Hier stellt sich die Frage, welche Therapiemöglichkeiten den Patienten zur Verfügung stehen, die die Kriterien für eine systemische Lysetherapie nicht erfüllen. YNSA bietet hier eine wertvolle Bereicherung der Basistherapien [2,3,8,36].

YNSA wurde 1973 zum ersten Mal der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Das zum damaligen Zeitpunkt aus einem 5-Punkte-System bestehende Therapiesystem ist inzwischen durch die Entdeckung neuer Behandlungspunkte und neuer Mikrosysteme (Basis- und Y- Punkte, pubic area, Yamamoto New Chest Acupuncture) erheblich erweitert worden. Durch die diagnostischen Möglichkeiten der Bauchdecken- und Halsdiagnostik kann eine sehr individuelle, bedarfsgerechte, gezielte und effiziente Behandlung durchgeführt werden. An dieser Stelle sei auf unsere erste Studie zur Effizienz der YNSA bei Schmerzen am Bewegungsapparat hingewiesen (DZA 2/2002). Das Fazit dieser Studie ist, dass YNSA bei Schmerzen am Bewegungsapparat eine effiziente Therapie ist, die subjektiv bei 93,3% (n=104) der Behandelten eine Verbesserung erzielte. 58,5% der Behandelten erlebten eine sowohl objektiv messbare wie auch subjektiv angegebene Beschwerdelinderung bzw. Beschwerdefreiheit, welche nach einmaliger Behandlung zum Teil länger als ein Jahr lang anhielt 26 .

Fragestellung

  • Kann YNSA Paresen und Restparesen nach apoplektischen Insulten positiv beeinflussen?
  • Ist bereits nach einer einmaligen Behandlung ein solcher Effekt nachweisbar?
  • Wie lange können positive Effekte nach einmaliger Behandlung subjektiv erlebt werden?
  • Ist eine YNSA-Therapie für den Einsatz im Notarztdienst zur Behandlung akuter apoplektischer Insulte geeignet?

Methodik der Yamamoto Neuen Schädelakupunktur
Die YNSA ist eine Sonderform der traditionellen Akupunktur. Die Methode basiert auf einem Somatotop am Schädel. Vergleichbar mit der Ohr- oder Mundakupunktur projiziert sich hier der Gesamtorganismus auf ein umschriebenes Areal am Schädel. Der Bewegungsapparat ist in der Stirn-Haar-Grenze, die inneren Organe sind über Y-Punkte beidseits im Schläfenbereich repräsentiert. Die Schädelakupunktur unterscheidet ein Yin-Somatotop am vorderen Schädel sowie ein Yang-Somatotop am hinteren Schädel. Mit Hilfe der speziellen japanischen Halsdiagnostik werden über druckdolente Punkte im Halsbereich die dazugehörigen Y-Therapiepunkte im Bereich der Schläfe demaskiert. Stellvertretend für jeden Meridian gibt es am Hals einen Druckpunkt und im Bereich der Schläfe einen dazugehörigen Behandlungspunkt. Ist beispielsweise der Nierenpunkt am Hals druckdolent, wird der dazugehörige Y-Punkt in der Schläfe genadelt. Ist die Nadel im Bereich der Schläfe dann korrekt plaziert, verschwindet konsekutiv die Druckdolenz am Hals und bietet so eine sofortige Kontrolle für den korrekten Sitz der Nadel. Schwerpunktmässig brachten wir in dieser Studie zusätzlich besonders die Gehirnpunkte (Basalganglien, Cerebrum, Cerebellum) zur Anwendung. Über Druckdolenzen am Sternum und dem Processus Xiphoideus werden die behandlungsbedürftigen Gehirnpunkte demaskiert. Nach korrekter Nadelung verschwindet auch am Thorax eine zuvor palpierte Druckdolenz. Weiterhin kamen die Basispunkte im Bereich der Stirn-Haar-Grenze zum Einsatz. Hier wird jeweils das Punktum maximum einer druckdolenten Region im dazugehörigen Behandlungsareal genadelt 36,37,38,39.

Alle Patienten wurden ausnahmslos einmalig mit Nadelakupunktur behandelt. Die Nadelverweildauer betrug 5 bis 9 Minuten, jeweils solange, wie es für die Durchführung der topometrischen Kontrolle erforderlich war. Wir haben ausschliesslich sterile Einmalstahlnadeln verwendet ( 0,25 x 25 mm ).

Methoden
Ein- und Ausschlusskriterien
Teilnehmen konnten Patienten, die nach apoplektischen Insulten Paresen oder Teilparesen der Extremitäten zurückbehalten haben. Erwünscht war eine minimale Beweglichkeit von Arm oder Bein, damit die Vergleiche vor und nach Akupunktur in der Topometrie leichter ausgewertet werden konnten.
Nicht teilnehmen konnten Patienten mit sensomotorischer Aphasie oder Neglect.

Patienten
Wir untersuchten 23 Patienten (8 Frauen und 15 Männer im Alter von 38 bis 86 Jahren). Der Schlaganfall lag 18 Monate bis 11 Jahre zurück. Die Diagnose lautete bei 11 Patienten Hirninfarkt, bei 12 Patienten Hirnblutung.
Alle Personen haben vor Behandlungsbeginn nach umfassender mündlicher und schriftlicher Aufklärung ihr schriftliches Einverständnis zur Teilnahme gegeben.

Neurologische Untersuchungen
Es wurde eine neurologische Untersuchung zur Beurteilung der Motorik (Paresegrade von 0-5 nach MRC-Skala, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen) durchgeführt. Zusätzlich wurden alle Patienten vor und nach der Schädelakupunktur nach dem motorischen Teil der NIH stroke scale (Paresen in Gesicht, Arm, Bein und Pyramidenbahnzeichen) beurteilt. Die Ergebnisse vor und nach YNSA wurden mit Hilfe eines zweiseitigen gepaarten T-Tests verglichen.

Echtzeit - Ultraschalltopometrie
Komplexe Fragestellungen in der Diagnostik sowie bei Verlaufskontrollen im Rahmen von Training, Therapie bzw. Rehabilitation erfordern den Einsatz einer objektiven, reproduzierbaren und möglichst viele Funktionsparameter erfassenden Messtechnik. Diese muß sowohl dem Gesichtspunkt der Beurteilung der Leistungsfähigkeit der einzelnen (isolierten) Gelenk-Muskeleinheit als auch der mehrgelenkiger Bewegungsabläufe Rechnung tragen. Um die geometrische Lage von Körperpunkten im Raum messtechnisch zu erfassen, wird das Messprinzip der Laufzeitvermessung TL von Ultraschallimpulsen zwischen räumlich getrennten Ultraschallsendern und Ultraschallempfängern benutzt. Multipliziert man die Laufzeit TL mit der temperaturbezogenen Schallgeschwindigkeit vt, so erhält man die vom Ultraschall zurückgelegte Weglänge W1. Misst man auf diese Weise drei Weglängen W1,2,3 eines Ultraschallsenders zu drei im Raum im festen Abstand zueinander angebrachten Ultraschallempfängern, so kann man aus diesen drei Weglängen den Ort des Senders in Bezug auf ein vorher festgelegtes Koordinatensystem (X, Y, Z) ermitteln. Um die gemessenen Werte zu überprüfen, ist ein 4. Empfänger im definierten Verhältnis zu den drei anderen Empfängern fixiert. Aus dieser 4. Redundanzmessung kann die Richtigkeit der Einzelmessung verifiziert werden. Wiederholt man die Messung innerhalb einer Messzeit mehrmals, so kann man die Sender während der Messzeit bewegen, woraus sich eine Bewegungsspur des Senders errechnet. Das Messsystem erlaubt Messfrequenzen F von 1 bis 100 Hz. Das Auflösungsvermögen bei der Messung mit dem Ultraschall-Topometer ist abhängig von der Messzeit, innerhalb der ein Messwert erfaßt wird. Diese Messwert-Erfassungszeit beträgt 1/100000 Sekunden (10 sec). Zum Vergleich: dies entspricht bei optischen Systemen einer Bildwiederholungsfrequenz von 100.000 Bildern/Sekunde oder einer Kameraverschlusszeit von 0.00001 Sekunden. In diesem Zeitraum hat sich ein Punkt mit einer Geschwindigkeit von 125 m/sec nur um einen Millimeter bewegt. Die Messgenauigkeit reicht also aus, um einen bewegten Sender mit einer Genauigkeit besser als 1 mm zu erfassen. Mit dem Topometer kann ein Messraum von mind. 5m x 4m x 3m erfaßt werden, wobei die Auflösung der einzelnen Senderimpulse unabhängig von der räumlichen Entfernung zum Empfänger ist. Da die menschlichen Körperbewegungen - mit Ausnahme einiger sportlicher Bewegungsabläufe - diese Geschwindigkeiten nie überschreiten, können die Sender an bestimmten Körperpunkten angebracht werden, um die Körperpositionen mit dieser Genauigkeit zu erfassen.
Die Ultraschallsender sind so klein dimensioniert (Durchmesser: 1 – 1.5cm, Höhe: 0.5 – 1cm, Gewicht: 2-3g), dass sie ohne Probleme an der menschlichen Körperoberfläche anzubringen sind. Die Sender beeinflussen den Bewegungsablauf einer Person nicht. Weiterhin besitzen die Sender eine weitgehend kugelsymmetrische Abstrahlung der Impulswelle (+-55 Grad), so dass Senderdrehungen um ihre Symmetrieachse keine Verfälschung der Messwerte ergeben. Es können gleichzeitig bis zu 12 Sender, die an den Probanden unterschiedlich verteilt angebracht sind, erfaßt werden. Dies reicht aus, um spezifische medizinische Probleme der Patienten aufzuzeigen, bzw. um Verbesserungen am Bewegungsapparat des Menschen durch Rehabilitationsmaßnahmen nachzuweisen. Darüber hinaus kann man mittels dieser Messdaten auch Drehmomente, Beschleunigungen, Geschwindigkeiten u.a. errechnen, die bisher als Mass für bestimmte Rehabilitationserfolge gewertet werden [26,27,28,29].

Bewertungskriterien der Topometrie

1. Haltungswinkel (WT)
Der Haltungswinkel zeigt Veränderungen in der Beweglichkeit der Patienten. In der Aufzeichnung zeigen sich Schmerzen in gestörten, das heißt nicht sinusförmigen Bewegungskurven zum Zeitpunkt der Haltungsveränderung. Gemessen wurden jeweils Winkelveränderungen der einzelnen Sender zueinander.

2. Winkelgeschwindigkeit (UW)
Die Winkelgeschwindigkeit gibt Aufschluss über die Koordinationsfähigkeit.

3. Winkelbeschleunigung (AW)
Die Winkelbeschleunigung gibt darüber Aufschluss, wieviel Kraft eine Person für eine Bewegung aufwenden muss. Die Winkelbeschleunigung steht also für Muskelkraft plus Schwerkraft. Hat sich nur die Winkelbeschleunigung verändert, kann man eine Verbesserung der Dynamik der Bewegung annehmen; diese ist jedoch für das Auge nicht sichtbar. Alleine die Messung kann eine solche positive Veränderung detektieren.
Die Messgrößen Haltungswinkel, Winkelgeschwindigkeit und Winkelbeschleunigung sind unterschiedlich zu bewerten. Diese Aussagekraft ist abhängig von der Harmonie der Bewegung und der Reproduzierbarkeit einer Bewegung.

4. Harmonie der Bewegung
Die Harmonie der Bewegung ist der Parameter mit der höchsten Aussagekraft, da eine sinusförmige, flüssige harmonische Bewegung dem, was man normal oder physiologisch nennt, am nächsten kommt.

5. Nebenbewegungen
Nebenbewegungen sind ein Ausdruck für unsichere und durch Schmerzen verzerrte Bewegungsabläufe, bzw. Bewegungen, die senkrecht zum Bewegungsablauf stehen. Die Patienten werfen beispielsweise beim Aufstehen aus dem Sitzen die Arme nach vorne, um Schwung aufzunehmen, bzw. beugen den Oberkörper unphysiologisch weit nach vorne. Oder eine Person soll eine HWS-Rotation durchführen und eine HWS-Seitbewegung tritt dann unbeabsichtigt als Nebenbewegung mit auf. Je mehr Nebenbewegungen auftreten, desto weiter sind die Patienten von einer physiologischen, harmonischen Bewegung entfernt.

6. Reproduzierbarkeit
a) Die Reproduzierbarkeit einer Bewegung entspricht der Sicherheit, mit der sich die Patienten bewegen.
b) Faktoren für eine mangelnde Reproduzierbarkeit können sein: mangelnde Kraft, mangelnde Übung, Schmerzen, Unsicherheit, kleinhirnbedingte Steuerungsproblematik 26.

Durchführung
Zwei Wochen vor Beginn der Studie fand ein Anamnese- und Aufklärungsgespräch statt.
Vor Beginn der Messungen wurden die Patienten von Boroojerdi neurologisch voruntersucht, anschließend führte Schumpe die Topometrie durch. 14 Patienten wurden von Yamamoto, 9 Patienten von Schockert behandelt. Unmittelbar nach der Akupunktur erfolgte die topometrische Kontrolle durch Schumpe. Abschließend untersuchte Boroojerdi alle Teilnehmer nochmals neurologisch.

Ergebnisse
Topometrie
In der Topometrie zeigte sich bei 14 von 23 Teilnehmern eine Verbesserung in mindestens einem der zuvor genannten Bewertungskriterien. Bei 9 Teilnehmern konnte in der Topometrie keine Veränderung der Beweglichkeit nach der Akupunkturbehandlung aufgezeichnet werden.

Absolute Winkeländerung

Das Bild zeigt exemplarisch die positive Veränderung der Motorik eines restparetischen Beines in der Topometrie vor und nach Akupunktur.

Subjektives Empfinden der Behandelten
17 von 23 Behandelten erlebten eine Verbesserung ihres Zustandes. Übereinstimmend berichteten 12 Patienten über eine Verbesserung der Beweglichkeit der betroffenen Extremitäten, ein Gefühl von Lockerung, Leichtigkeit, Abnahme von Spastik, Zugewinn an Wohlbefinden und Zunahme an Sicherheit in der Bewegung.

Im folgenden werden Äußerungen der Studienteilnehmer aus der telefonischen Nachbefragung wiedergegeben:

  • J.L.: Hatte Schwierigkeiten, einen Schuh anzuziehen, da die Zehen bei Berühren des Schuhs krallten. Das Sitzen auf der linken Seite fiel schwer. Nach der Therapie berichtet der Patient über eine Lockerung der Zehen einfacheres Anziehen des Schuhs, erleichtertes Sitzen auf der linken Gesäßhälfte und ein Gefühl von Lockerung im linken Fuß.
  • H.R.: Der Patient konnte den linken Arm vor der Therapie nicht aktiv bewegen. Unmittelbar nach der Therapie berichtet der Patient über Gefühl im linken Arm (die Beweglichkeit war topometrisch eindeutig besser). 17 Tage nach der einmaligen YNSA konnte H.R. den linken Arm ca. 45 Grad seitlich abduzieren.
  • D.K.: 16 Tage nach Therapie berichtet D.K. über eine verbesserte Beweglichkeit des linken Armes und linken Beines. Das Wohlbefinden sei insgesamt deutlich besser. D.K. wollte vor der YNSA-Therapie nie alleine gehen und traut sich jetzt, ohne Stock zu gehen.
  • U.B.: Berichtet über Erleichterung in der Beweglichkeit des linken Kniegelenkes, das Treppensteigen falle ihm deutlich leichter.
  • W.A: Der Patient berichtet über einen Zugewinn an Wohlbefinden, leichtere Beweglichkeit, sein Gehen sei sicherer geworden, insbesondere falle das Treppensteigen leichter.
  • O.L.: Berichtet, am ersten Tag nach der Therapie sehr müde gewesen zu sein. Ab dem zweiten Tag nach Therapie habe er für 14 Tage deutlich besser gehen können. Sein Wohlbefinden habe sich verbessert, insbesondere auch deutlich seine Stimmung. Ihm fiel ein erheblich verbessertes Gleichgewichtsempfinden auf. Vor der Therapie beklagte der Patient ein Druckgefühl von außen auf den Kopf, als sei eine zu enge Badekappe aufgezwungen. Dieses beengte Gefühl am Kopf ist seit der Therapie bis zum Tag der Befragung verschwunden. Nach 14 Tagen stellten sich erneut Müdigkeit und Antriebsminderung ein. Die vom Patienten erlebten Positiveffekte konnten in der Topometrie nicht verifiziert werden.
  • M.T.: 14 Tage lang empfand der Patient ein warmes Gefühl in der hemiparetischen rechten Seite. „Ich merkte zum ersten Mal wieder einmal, dass ich eine rechte Seite habe“. Die Bewegung blieb subjektiv unverändert, obwohl topometrisch eindeutig eine Verbesserung des Bewegungsablaufes dokumentiert werden konnte.
  • I.K.: Der rechte Arm konnte leichter bewegt und höher ausgestreckt werden.
  • F.M.: Die Beweglichkeit der Beine sei 14 Tage lang besser gewesen. F.M. wörtlich: „Das ist eine geniale Besserung“.
  • P.W.: Die Beweglichkeit des Beines war unmittelbar nach der Behandlung für 20-30 Minuten besser.
  • D.B.: Konnte den linken Arm vor Therapie nicht bewegen, nach der Therapie zeigte sich eine deutliche Beweglichkeit im linken Arm. Diese konnte der Patient jedoch subjektiv nicht erleben.
  • E.H.: Berichtet über deutliche Besserung beim Gehen. Es sei nun einfacher, aufrecht zu gehen.
  • H.M.: Erlebte für einen halben Tag ein Gefühl von Lockerung im linken Arm.
  • R.P.: Beklagte vor der Therapie ein Druckgefühl im betroffenen hemiparetischen Arm rechts, das nach der Therapie 2 Tage lang nicht empfunden wurde.
  • H.W.: Erlebte eine Zunahme der Beweglichkeit des betroffenen Armes und über drei Tage eine Reduktion der Spastik.
  • W.C.: Berichtet über eine Zunahme an Wohlbefinden, ein erleichtertes Gehen und ein Empfinden von Leichtigkeit.
  • G.S.: Erlebte eine deutliche Reduktion ihrer Spastik und beschreibt eine Zunahme an Wohlbefinden.

Neurologische Untersuchung und NIH stroke scale
In der neurologischen Untersuchung konnte eine Verbesserung der Beweglichkeit von Arm oder Bein vor und nach Akupunktur nicht verifiziert werden. Die NIH stroke scale zeigte für alle 4 Bereiche keine signifikante Veränderung nach der Schädelakupunktur

Diskussion
Der apoplektische Insult steht in Deutschland auf Platz drei der Todesursachenstatistik und ist weltweit die häufigste Ursache für erworbene Pfegebedürftigkeit im Alter [11,20]. Ausser der stationären Lysetherapie 1] für eine Minderheit der Betroffenen stehen ursachenorientierte und effiziente Behandlungsmethoden für Schlaganfallpatienten nicht zur Verfügung. Das Risiko einer Gehirnblutung nach der Lysetherapie liegt bei 8,8 Prozent 25]. Als wertvolle Ergänzung und Bereicherung dieser Therapiekonzepte kann YNSA ei all den Schlaganfallpatienten zur Anwendung kommen, die die Kriterien für eine Lysetherapie nicht erfüllen [8].
Die Notwendigkeit einer verbesserten Schlaganfallversorgung wird u.a. auch von Schenkel und Diener gefordert, da die Lyse nur wenigen Betroffenen zur Verfügung steht 25. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die National Institutes of Health empfehlen zur Behandlung von Schlaganfall-Patienten Akupunktur 14,17. Weltweit wird diese Therapie bereits vielfach zur Anwendung gebracht und wegen ihrer Wirksamkeit empfohlen 4,6,9,10,13,16,19,23,35,36,37,38,39,41. Ernst und White kommen in der Wiener Medizinischen Wochenschrift zu der Schlussfolgerung, dass Akupunktur in der Schlaganfall-Rehabilitation hilfreich ist 5. Zhang sieht in der Schlaganfallbehandlung mit Akupunktur ein unverzichtbares Muss in der modernen Neurologie, da in China 90 Prozent der akupunktierten Patienten das Krankenhaus nach apoplektischem Insult lebend verlassen 40.

Pie at all legen dar, dass auch eine frühe Elektroakupunkturbehandlung beim akuten Schlaganfall die motorischen Funktionen deutlich verbessert und ebenfalls Erleichterung für die Aktivitäten des täglichen Lebens bietet 22. Kritische Stimmen merken an, die Nadelakupunktur der traditionell-chinesischen Medizin sei nicht dazu geeignet, Verbesserungen für Schlaganfall-Patienten zu erzielen 15,21,30,33,34. Insbesondere das Fehlen von sham-Akupunktur und Kontrollgruppen wird in Metaanalysen mehrfach kritisiert, der Benefit von chinesischer Nadelakupunktur zur Schlaganfallbehandlung sei bisher nicht erwiesen 30,34. Dem ist entgegenzuhalten, dass aufgrund der mangelnden Erfahrung mit sham-Akupunktur diese als nicht sicher verlässlich bewertet werden muß 24.

Obwohl die möglichst frühzeitige Behandlung mit YNSA empfohlen wird, sind selbst zehn Jahre nach Auftreten eines apoplektischen Insultes Schädelakupunktur- Behandlungen noch von erheblichem Nutzen. Eine frühe Behandlung mit YNSA liesse hoffen, dass sowohl die Sterblichkeit als auch die Folgeerkrankungen in Häufigkeit und Beschwerdegrad reduziert werden.
In China und Japan wird die Schlaganfallbehandlung mit Akupunktur so früh wie möglich begonnen. Auch Grotte postuliert einen möglichst frühzeitigen Behandlungsbeginn, beispielsweise in der Notaufnahme des Krankenhauses 9.
Ericson empfiehlt, Schlaganfallpatienten erst 2 Wochen nach dem akuten Ereignis zu akupunktieren, weil Studienergebnisse mit TCM-Nadelakupunktur daraufhin deuten, dass die Akupunktur Cerebral-Arterien öffnet und durch diese Weitstellung eine verbesserte Perfusion in Gang setzt. Bei Arterienverschlüssen wären diese Effekte hilfreich und wünschenswert. Bei der akuten Blutung sollte gerade dieser Effekt vermieden werden. Verlässliche Studien, die eine gültige Empfehlung aussprechen, wann die Behandlung von Schlaganfall-Patienten mit Akupunktur am günstigsten begonnen werden soll, liegen derzeit nicht vor 4. Die in der Literatur beschriebenen Studien zur Akupunkturbehandlung von Schlaganfall-Patienten beziehen sich ausnahmslos auf den Einsatz der traditionell-chinesischen Nadelakupunktur, Elektroakupunktur oder transcutaner elektrischer Nervenstimulation 18 und widersprechen sich in ihrer Aussage zum Teil erheblich  5,21.
Eine endgültige Beurteilung der Wirksamkeit von Akupunktur zur Schlaganfallnachbehandlung erscheint Kritikern in Metaanalysen besonders schwer, weil insbesondere Qualität und Studiendesign in der chinesischen Akupunktur bemängelt werden 30,34.
Aktuelle Studien zur Effizienz der YNSA in der Schlaganfallbehandlung liegen derzeit nicht vor. Da retrospektiv so gute Erfahrungen mit YNSA für Schlaganfall-Patienten vorliegen, haben wir aus ethischen Gründen bewusst auf sham-Akupunctur verzichtet. Verblindung und Kontrollgruppe erschienen uns aufgrund des Einsatzes der Topometrie nicht zwingend erforderlich. An dieser Stelle sei die Bedeutung der Topometrie hervorgehoben: die Topometrie erfasst Bewegungsabläufe dreidimensional und milimetergenau. In der vorliegenden Studie war die medizinische Behandlung (Yamamoto, Schockert), die technische Beobachtung mittels Topometrie und deren Auswertung (Schumpe) sowie die körperliche Untersuchung (Boroojerdi) strikt getrennt.
Zur doppelten Verblindung merke ich an: es ist schwer vorstellbar, dass der Therapeut den Patienten mit verbunden Augen behandelt und dass der Patient alle YNSA-Behandlungspunkte samt deren Wirkung auswendig kennt. Die sham-Akupunktur ist abzulehnen, da die ständige Weiterentwicklung verschiedenster Akupunktursysteme durch Neuentdeckung von Punkten nie mit absoluter Sicherheit das Vorhandensein eines Akupunkturpunktes an einer bestimmten Körperstelle ausschließt. Auch die von Streitberger entwickelte Placebo-Akupunkturnadel kam nicht zum Einsatz, weil unter Umständen bereits Akupressur oder Mikropressur 12 einen therapeutischen Positiveffekt bedingen könnte 24,31,32.
Die Soforteffekte durch YNSA deuten auf eine Überlegenheit der japanischen Schädelakupunktur gegenüber der traditionell-chinesischen Nadelakupunktur in der Schlaganfallbehandlung hin. Die von Patienten nach einmaliger YNSA beschriebenen Positiveffekte, die bis zu 17 Tage lang anhielten, und die Topometrie unterstützen diese Annahme.

Kosten
An dieser Stelle sei auf den erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen von YNSA hingewiesen. Der gesetzlich versicherte Schlaganfallpatient benötigt nach Angaben des Leiters der Techniker Krankenkasse Aachen für seine Versorgung in den ersten sechs Monaten seiner Erkrankung Gelder in Höhe von durchschnittlich 80.000 Euro. Wenn sich nur ein Bruchteil der Betroffenen nach YNSA wieder soweit in der Motorik verbesserte, dass etwa eine Pflegebedürftigkeit entfiele, wäre für diese Betroffenen Wertvolles geleistet. Ebenfalls volkswirtschaftlich bewerten sollte man die realistische Möglichkeit, dass eine beträchtliche Anzahl von Patienten durch YNSA wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können. Auch Sprachstörungen können mit YNSA über die Aphasiepunkte positiv beeinflusst und behandelt werden 36,39.
Durch stationäre YNSA-Behandlungen entstünden den gesetzlichen Krankenkassen kaum Mehrkosten. Pro Behandlung werden 5-10 Nadeln verwendet, die Kosten dafür betragen derzeit maximal 1,50 Euro.
Sponsoren für eine forcierte bundesweite YNSA-Ausbildung von Ärzten werden noch gesucht.

Subjektiv haben Frauen und Männer nach nur einer einzigen YNSA über einen oft erheblichen Zugewinn an Wohlbefinden, Lebensqualität und eine Verbesserung motorischer Fähigkeiten berichtet. Selbst Patienten, bei denen ein objektiver Nachweis von verbesserter Motorik in der Topometrie nicht nachgewiesen werden konnte, profitierten subjektiv durch YNSA.
In der neurologischen Untersuchung war demgegenüber eine signifikante Veränderung nach YNSA nicht auszumachen. Aus ethischen Gründen sollten die hier vorgelegten Daten in weiteren und größeren Studien untersucht werden.

Aufgrund 30-jähriger Erfahrung mit YNSA und den weltweit übereinstimmend positiven Rückmeldungen von Therapeuten und Behandelten erscheint es sinnvoll und naheliegend, Schlaganfallpatienten auch in Europa mit YNSA adjuvant zu behandeln 6,10,23,36,37,38,39. Die Ergebnisse dieser Pilotstudie bestätigen auch retrospektive Beobachtungen von Toshikatsu Yamamoto aus dem Jahre 1983. In seinem Lehrbuch „YNSA“ beschreibt Yamamoto die Wirksamkeit der YNSA zur effizienten Therapie von Paresen nach apoplektischen Insulten 36. Da die Durchführung der Schädelakupunktur nach adäquater Ausbildung relativ einfach ist, könnte die Behandlung durch den Notarzt initiiert, im Krankenhaus und in der Rehabilitation fortgesetzt und schließlich durch die betreuenden Hausärzte weitergeführt werden.

Nach Aussage der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur in München (DÄGfA) sind derzeit alleine durch die DÄGfA 2500 Ärzte in YNSA ausgebildet. Yamamoto führt in Zusammenarbeit mit anderen Deutschen (Gottfried Gutmann Akademie, Hamm) und internationalen Fachgesellschaften ebenfalls YNSA-Ausbildungen durch. Weltweit haben sich mittlerweile tausende Ärzte zu YNSA-Therapeuten weiterbilden lassen.

Ich selbst habe mit der YNSA im Notarzt- und Bereitschaftsdienst sehr gute Erfahrungen machen können. Auch bei Patienten, die mit dem Rettungshubschrauber zur Klinik transportiert werden mussten, war YNSA problemlos einsetzbar. Da die Nadeln tangential am Schädel gestochen werden, stört selbst der vor Lärm schützende Kopfhörer den Patienten im Hubschraubertransport in keiner Weise.

Fazit
Das brachliegende Potential der YNSA sollte nun auch in Europa zügig zum Wohle von Schlaganfallpatienten eingesetzt werden.

Danksagung
Danken möchten wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich in dieser Studie als Patienten zur Verfügung gestellt haben.

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Anschriften der Verfasser

  • Dr. med. Thomas Schockert, Facharzt für Allgemeinmedizin, Akupunktur, Naturheilverfahren, Am Eisernen Kreuz 2c, 52385 Nideggen
  • Privatdozent Dr. med. Babak Boroojerdi, Neurologische Klinik der RWTH Aachen, Pauwels-Str. 30, 52074 Aachen
  • Dr. med. Toshikatsu Yamamoto, M.D., PhD. Aishinkai Yamamoto Hospital und Yamamoto Rehabilitation Clinic, Miyazaki, Japan
  • Prof. Dr. med. Dr. rer nat. Dipl. Ing. K.G. Schumpe, Orthopädische Universitätsklinik Bonn, Biomechanik/Biophysik, Sigmund-Freud-Str. 25, 53127 Bonn

 

 

 

 

 

 

Auszug aus “Deutsche Zeitschrift für Akupunktur” 2/2002

Thomas Schockert, Günter Schumpe, Claudia Nicolay

Effizienz der Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA)
bei Schmerzen am Bewegungsapparat -

eine offene, prospektive, topometrisch kontrollierte Studie

Zusammenfassung

Ziel der vorzustellenden Studie war es, die Effizienz der YNSA bei Schmerzen am Bewegungsapparat zu erarbeiten. Wir wollten zeigen, bei welchen Beschwerden, wie schnell und wie dauerhaft YNSA wirkt, und ob YNSA auch für den Einsatz im ärztlichen Notfalldienst / Notarztdienst geeignet ist.
Weiterhin sollte u.a. erforscht werden, ob sich arbeitsunfähige PatientInnen mit schmerzhaften Einschränkungen am Bewegungsapparat durch YNSA wieder zügig und damit kostengünstig in den Arbeitsprozess eingliedern lassen.

Methode

104 PatientInnen wurden nach den aktuellen Regeln der YNSA einmalig über Basis- und Y-Punkte behandelt. Die Punktauswahl ergab sich aus dem Palpationsbefund der Halsdiagnostik. Punkte aus der pubic area und der Y Chest Acupuncture kamen nicht zur Anwendung. Abhängig von der Dauer der Topometrie betrug die Nadelverweildauer 3 bis 9 Minuten. Als Messinstrument diente ein von Prof. Schumpe entwickeltes Topometer, mit dessen Hilfe Bewegungsabläufe computergesteuert über externe Ultraschallsender millimetergenau aufgezeichnet wurden. Vor Beginn der Therapie hatten alle PatientInnen die für sie schmerzhafte Bewegung vorgeführt. Der topometrisch erfasste Bewegungsablauf sollte nach der Therapie zum Vergleich und zur Erfolgskontrolle erneut erfasst werden.
Mittels visueller Schmerzanalogskala (VAS) stellten die TeilnehmerInnen der Studie vor und nach der Therapie ihr subjektives Schmerzempfinden ein. Zur Dokumentation der Dauer des Therapieerfolges wurden alle PatientInnen nochmals einige Wochen später telefonisch befragt.

Ergebnis

Insgesamt haben 93.3% aller ProbandInnen (n=97) eine einmalige YNSA von nur kurzer Dauer als wirksam bewertet.
50% der PatientInnen (n=52) haben subjektiv und über die VAS Beschwerdefreiheit nach einer einzigen YNSA angegeben. 45 PatientInnen (43.3%) konnten nach der YNSA Beschwerdelinderung erfahren. sieben PatientInnen hatten subjektiv keinen Effekt gespürt.
58.5% der PatientInnen (n=55) erlebten eine sowohl objektiv messbare (Topometrie) wie auch subjektiv angegebene Beschwerdemilderung bzw. Beschwerdefreiheit (VAS), die sich über einen Zeitraum von einer Stunde bis zu 13 Monaten erstreckte. Bei 35.1% der PatientInnen (n=33) blieb die Gesamtbewegung nach YNSA in der Topometrie gleich. Topometrisch war die Gesamtbewegung bei 6.4% der TeilnehmerInnen (n=6) nach der YNSA schlechter als vorher.

Schlussfolgerung

YNSA ist bei Schmerzen am Bewegungsapparat eine effiziente Therapie, die bei 93.3% der PatientInnen eine subjektive Verbesserung erzielt. Damit erinnert die YNSA in der Therapie bewegungsabhängiger Schmerzen an die Effizienz einer intravenösen Injektion oder intramuskulären Schmerzmittelapplikation. YNSA ist aufgrund der einfachen Handhabung und Zuverlässigkeit für den Einsatz im Notfalldienst bestens geeignet, da ein guter Langzeiteffekt bei einer Nadelverweildauer von nur 3 bis 9 Minuten erwirkt wird. Die YNSA kann wahrscheinlich Schmerzen aus dem Schmerzgedächtnis löschen. PatientInnen, die mit YNSA behandelt wurden, lassen sich demnach auch wieder schnell in den Arbeitsprozeß eingliedern 8.

Schlüsselwörter

Yamamoto Neue Schädelakupunktur, Topometrie, Schmerzgedächtnis.

Effectiveness of Yamamoto New Scalp Acupuncture (YNSA) for the relief of pain of the locomotor system – a open, prospective, topometrically controlled study

Summary

The aim of the study presented here was to identify the effectiveness of YNSA for the relief of pain of the locomotor system. We intended to show how rapidly and with what sustained effect YNSA acts, the complaints for which it is particularly effective and also whether YNSA is suitable for emergency application.
Furthermore, our investigations also considered whether patients unfit for work with painful restrictions of the locomotor system could be reintegrated into the work process faster and thus more cost-effectively by YNSA.

Method

One hundred and four patients were treated by one single application according to the relevant rules of YNSA via basic points and Y points. The points were selected according to the palpatation results of a neck diagnosis. Points from the pubic area and Yamamoto New Chest Acupuncture were not applied. Depending on the duration of topometry, the needles were left in position for 3 to 9 minutes. A topometer developed by Prof. Schumpe served as the measuring instrument. This topometer was used to record patients' movements by an external computer-controlled ultrasonic emitter with an accuracy in the millimetre range. Before treatment began, all the patients had performed the movements that caused them pain. After treatment, the movements recorded topometrically were measured again for comparison and to check effectiveness. The participants described their subjective sensation of pain before and after treatment by means of a visual analogue scale (VAS) for pain. All the patients were interviewed by telephone once again a few weeks later in order to document the success of the treatment.

Results

Altogether, 93.3% (n=97) of the patients regarded a single, brief application of YNSA as effective.
50% of the patients (n=52) stated that they experienced complete absence of symptoms subjectively and by using the VAS scale after a single application of YNSA. 43.3% of the patients (n=45) experienced some relief after YNSA. Seven patients did not subjectively experience any effect.
58.5% (n=55) of the patients experienced both objectively measurable (topometry) and also subjectively stated relief or complete absence of symptoms (VAS) lasting for a period ranging from 1 hour to 13 months. For 35.1% of the patients (n=33) their overall movement after YNSA remained constant in topometric measurements. For 6.4 of the patients (n=6) their overall movement measured topometrically was worse after YNSA than before.

Conclusions

YNSA is an effective treatment especially for pain of the locomotor system and achieves a subjective improvement for 93.3% of patients. YNSA thus resembles the effectiveness of an intravenous injection or an intramuscular application of analgesics in treating movement-related pain. Due to its ease of application and its reliability, YNSA is particularly well suited for application in emergency treatment since a good long-term effect can be achieved by leaving the needles in position for just 3 to 9 minutes. Patients with YNSA can therefore be rapidly re-integrated into the work process 8.

Keywords

Yamamoto New Scalp Acupuncture, topometry, pain memory.
 

 

 

 

Einleitung

In meiner täglichen Arbeit mit der YNSA treten regelmäßig sogenannte Sekundenphänomene auf, die sonst nur aus der Neuraltherapie nach Huneke bekannt sind: PatientInnen werden unmittelbar nach der YNSA Behandlung anhaltend beschwerdefrei. Diese Beobachtungen waren Anlass dafür, die YNSA einmal genauer zu untersuchen.
Über die Fachzeitschrift „Naturarzt“ sowie die Tageszeitung „Bonner Generalanzeiger“ wurden PatientInnen zur Teilnahme an der YNSA Studie gesucht 12,13. Melden sollten sich PatientInnen mit starken bewegungsabhängigen Schmerzen. Teilgenommen haben schließlich 104 Personen, darunter 103 SchmerzpatientInnen.
Die Studie wurde aus rein wissenschaftlichem Interesse durchgeführt und ist finanziell von keiner Seite gefördert oder unterstützt worden. Alle Messungen wurden am Institut für Biophysik und Biomechanik der Abteilung für Orthopädie der Universität Bonn von Prof. Schumpe durchgeführt, der selbst bis zu dieser Studie keinerlei Berührung mit Akupunktur hatte. Da Prof. Schumpe (technischer Beobachter) nicht in Akupunktur ausgebildet war, konnte er ebensowenig wie die Teilnehmer wissen, ob Verum- oder Placebopunkte gestochen wurden.
In der hier vorliegenden Studie wurden nur Verumpunkte verwendet. Alle PatientInnen sind nur ein einziges Mal und ausnahmslos durch denselben Behandler (Dr. med. Schockert) akupunktiert worden, der von Dr. med. Toshikatsu Yamamoto selbst ausgebildet worden ist [5,6,7,8,9,10,11]

Fragestellung  

  1. Wie hoch ist die Effektivität der YNSA bei Schmerzen am Bewegungsapparat?
  2. Ist durch eine einmalige Behandlung eine dauerhafte Beschwerdelinderung oder gar Beschwerdefreiheit zu erreichen?
  3. Wie schnell wirkt Yamamoto Neue Schädelakupunktur?
  4. Wie lange dauert dann die Beschwerdelinderung bzw. Beschwerdefreiheit?
  5. Ist die Wirksamkeit der YNSA an eine 20minütige Nadelverweildauer gebunden ?
  6. Ist YNSA für den Einsatz im Notfalldienst geeignet?

Methodik der Yamamoto Neuen Schädelakupunktur

Die Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA) ist eine Sonderform der traditionellen Akupunktur. Die Methode basiert auf einem Somatotop am Schädel. Vergleichbar mit der Ohr- oder Mundakupunktur projiziert sich hier der Gesamtorganismus auf ein umschriebenes Areal am Schädel. Der Bewegungsapparat ist beiderseits in der Stirn-Haar-Grenze, die inneren Organe sind über Y-Punkte beidseits im Schläfenbereich repräsentiert. Die Schädelakupunktur unterscheidet ein Yin-Somatotop am vorderen Schädel sowie ein Yang-Somatotop am hinteren Schädel. Mit Hilfe der speziellen japanischen Halsdiagnostik werden über druckdolente Punkte im Halsbereich die dazugehörigen Y-Therapiepunkte im Bereich der Schläfe demaskiert. Stellvertretend für jeden Meridian gibt es am Hals einen Druckpunkt und im Bereich der Schläfe einen dazugehörigen Behandlungspunkt. Ist beispielsweise der Nierenpunkt am Hals druckdolent, wird der dazugehörige Y-Punkt in der Schläfe genadelt. Ist die Nadel im Bereich der Schläfe dann korrekt platziert, verschwindet konsekutiv die Druckdolenz am Hals und bietet so eine sofortige Kontrolle für den korrekten Sitz der Nadel. Diagnostik- und Therapiekontrolle sind in dieser Studie jeweils mit Hilfe der Halsdiagnostik durchgeführt worden. Zusätzlich zu den Y-Punkten kamen die sogenannten Basispunkte im Bereich der Stirn-Haar-Grenze zum Einsatz. Hier wurde jeweils das Punktum maximum einer druckdolenten Region im dazugehörigen Behandlungsareal genadelt. Alle PatientInnen wurden ausnahmslos einmalig mit Nadelakupunktur behandelt. Die Nadelverweildauer betrug 3 bis 9 Minuten, jeweils solange, wie es für die Durchführung der topometrischen Kontrollmessung erforderlich war 2,9,10,11,12,13.

Einschlusskriterien

An der Studie teilnehmen konnten nur PatientInnen mit starken Schmerzen bei Bewegung bzw. mit Schmerzen, die durch Bewegung verstärkt wurden. Teilnehmen konnten PatientInnen, die bewegungsabhängige Muskelschmerzen hatten, weil die für den Patienten schmerzhafteste Bewegung vor und nach der Therapie mittels Topometrie zum Vergleich festgehalten werden musste.

Ausschlusskriterien

An der Studie konnten PatientInnen nicht teilnehmen, die marcumarisiert waren oder PatientInnen, die nur Ruheschmerzen hatten. Ebenfalls mussten Patienten mit Kopfschmerzen ausgeschlossen werden, da sich Kopfschmerzen topometrisch nicht erfassen lassen.

Einverständnis

Alle TeilnehmerInnen haben vor Behandlungsbeginn mündlich ihr Einverständnis gegeben.

Echtzeit-Ultraschall-Topometrie

Komplexe Fragestellungen in der Diagnostik sowie bei Verlaufskontrollen im Rahmen von Training, Therapie bzw. Rehabilitation erfordern den Einsatz einer objektiven, reproduzierbaren und möglichst viele Funktionsparameter erfassenden Messtechnik. Diese muss sowohl dem Gesichtspunkt der Beurteilung der Leistungsfähigkeit der einzelnen (isolierten) Gelenk-Muskeleinheit als auch der mehrgelenkiger Bewegungsabläufe Rechnung tragen. Um die geometrische Lage von Körperpunkten im Raum messtechnisch zu erfassen, wird das Messprinzip der Laufzeitvermessung TL von Ultraschallimpulsen zwischen räumlich getrennten Ultraschallsendern und Ultraschallempfängern benutzt. Multipliziert man die Laufzeit TL mit der temperaturbezogenen Schallgeschwindigkeit vt, so erhält man die vom Ultraschall zurückgelegte Weglänge W1. Misst man auf diese Weise drei Weglängen W1,2,3 eines Ultraschallsenders zu drei im Raum im festen Abstand zueinander angebrachten Ultraschallempfängern, so kann man aus diesen drei Weglängen den Ort des Senders in Bezug auf ein vorher festgelegtes Koordinatensystem (X, Y, Z) ermitteln. Um die gemessenen Werte zu überprüfen, ist ein 4. Empfänger im definierten Verhältnis zu den drei anderen Empfängern fixiert. Aus dieser 4. Redundanzmessung kann die Richtigkeit der Einzelmessung verifiziert werden. Wiederholt man die Messung innerhalb einer Messzeit mehrmals, so kann man die Sender während der Messzeit bewegen, woraus sich eine Bewegungsspur des Senders errechnet. Das Messsystem erlaubt Messfrequenzen F von 1 bis 100 Hz. Das Auflösungsvermögen bei der Messung mit dem Ultraschall-Topometer ist abhängig von der Messzeit, innerhalb der ein Messwert erfasst wird. Diese Messwert-Erfassungszeit beträgt 1/100000 Sekunden (10 sec). Zum Vergleich: dies entspricht bei optischen Systemen einer Bildwiederholungsfrequenz von 100.000 Bildern/Sekunde oder einer Kameraverschlusszeit von 0.00001 Sekunden. In diesem Zeitraum hat sich ein Punkt mit einer Geschwindigkeit von 125 m/sec nur um einen Millimeter bewegt. Die Messgenauigkeit reicht also aus, um einen bewegten Sender mit einer Genauigkeit besser als 1 mm zu erfassen. Mit dem Topometer kann ein Messraum von mind. 5m x 4m x 3m erfasst werden, wobei die Auflösung der einzelnen Senderimpulse unabhängig von der räumlichen Entfernung zum Empfänger ist. Da die menschlichen Körperbewegungen, mit Ausnahme einiger sportlicher Bewegungsabläufe, diese Geschwindigkeiten nie überschreiten, können die Sender an bestimmten Körperpunkten angebracht werden, um die Körperpositionen mit dieser Genauigkeit zu erfassen.
Die Ultraschallsender sind so klein dimensioniert (Durchmesser: 1 – 1.5cm, Höhe: 0.5 – 1cm, Gewicht: 2-3g), dass sie ohne Probleme an der menschlichen Körperoberfläche anzubringen sind. Die Sender beeinflussen den Bewegungsablauf einer Person nicht. Darüber hinaus besitzen die Sender eine weitgehend kugelsymmetrische Abstrahlung der Impulswelle (+-55 Grad), so dass Senderdrehungen um ihre Symmetrieachse keine Verfälschung der Messwerte ergeben. Es können gleichzeitig bis zu 12 Sender, die an den ProbandInnen unterschiedlich verteilt angebracht sind, erfasst werden. Dies reicht aus, um spezifische medizinische Probleme der PatientInnen aufzuzeigen, bzw. um Verbesserungen am Bewegungsapparat des Menschen durch Rehabilitationsmaßnahmen nachzuweisen. Darüber hinaus kann man mittels dieser Messdaten auch Drehmomente, Beschleunigungen, Geschwindigkeiten u.a. errechnen, die bisher als Maß für bestimmte Rehabilitationserfolge gewertet werden [5,6,7].

Bewertungskriterien der Topometrie

1. Haltungswinkel (WT)

Der Haltungswinkel zeigt Veränderungen in der Beweglichkeit der PatientInnen. In der Aufzeichnung zeigen sich Schmerzen in gestörten, das heißt, nicht sinusförmigen Bewegungskurven zum Zeitpunkt der Haltungsveränderung. Gemessen wurden jeweils Winkelveränderungen der einzelnen Sender zueinander.

2. Winkelgeschwindigkeit (UW)

Die Winkelgeschwindigkeit gibt Aufschluss über die Koordinationsfähigkeit.

3. Winkelbeschleunigung (AW)

Die Winkelbeschleunigung gibt darüber Aufschluss, wie viel Kraft eine Person für eine Bewegung aufwenden muss. Die Winkelbeschleunigung steht also für Muskelkraft plus Schwerkraft. Hat sich nur die Winkelbeschleunigung verändert, kann man eine Verbesserung der Dynamik der Bewegung annehmen; diese ist jedoch für das Auge nicht sichtbar. Alleine die Messung kann eine solche positive Veränderung detektieren.

Die Messgrößen Haltungswinkel, Winkelgeschwindigkeit und Winkelbeschleunigung sind unterschiedlich zu bewerten. Diese Aussagekraft ist abhängig von der Harmonie der Bewegung und der Reproduzierbarkeit einer Bewegung.

4. Harmonie der Bewegung

Die Harmonie der Bewegung ist der Parameter mit der höchsten Aussagekraft, da eine sinusförmige, flüssige harmonische Bewegung dem, was man normal oder physiologisch nennt, am nächsten kommt.

5. Nebenbewegungen

Nebenbewegungen sind ein Ausdruck für unsichere und durch Schmerzen verzerrte Bewegungsabläufe, bzw. Bewegungen, die senkrecht zum Bewegungsablauf stehen. Die PatientInnen werfen beispielsweise beim Aufstehen aus dem Sitzen die Arme nach vorne, um Schwung aufzunehmen, bzw. beugen den Oberkörper unphysiologisch weit nach vorne. Oder eine Person soll eine HWS-Rotation durchführen und eine HWS-Seitbewegung tritt dann unbeabsichtigt als Nebenbewegung mit auf. Je mehr Nebenbewegungen auftreten, desto weiter sind die PatientInnen von einer physiologischen, harmonischen Bewegung entfernt.

6. Reproduzierbarkeit

a) Die Reproduzierbarkeit einer Bewegung entspricht der Sicherheit, mit der sich die PatientInnen bewegen.

b) Faktoren für eine mangelnde Reproduzierbarkeit können sein: mangelnde Kraft, mangelnde Übung, Schmerzen, Unsicherheit, kleinhirnbedingte Steuerungsproblematik.

Visuelle Schmerzanalogskala VAS

Die VAS ermöglicht den PatientInnen mit einem roten Schieber in einem weißen Sichtfeld subjektiv ihr Schmerzempfinden zwischen „kein Schmerz“ ( der rote Balken kann für diesen Fall ganz aus dem Sichtfenster herausgezogen werden) und „stärkster Schmerz“ (der rote Balken füllt das ganze Sichtfeld vollständig aus) einzustellen. Auf der Rückseite der VAS, die den PatientInnen verborgen bleibt, können die Behandler auf einer Skala zwischen null und einhundert die subjektive Einschätzung der Befragten in Zahlenwerten ablesen. [1, 3].

Durchführung

Nach einem Anamnesegespräch wurden alle PatientInnen aufgefordert, die Bewegung vorzuführen, die ihnen die meisten Schmerzen bereitete. Bei einigen PatientInnen wurde der Schmerz noch verstärkt und provoziert, indem z.B. PatientInnen mit Omarthrose/Omalgie Gewichte vor der Bewegung an die Hand gegeben wurden oder bei Gonarthrose Gewichte an den Füssen befestigt wurden, um die Bewegung des Unterschenkels im Sitzen zu erschweren. So sollten möglichst realistische „Alltagsbedingungen“ geschaffen werden, Belastungsschmerzen simuliert und Schmerzen beim Heben, Tragen oder Bücken authentisch erlebt werden. Nach Begutachtung der schmerzhaft eingeschränkten Bewegung hat Prof. Schumpe die Ultraschallsender in geeigneter Position mit starken Klettverschlüssen positioniert. Um Messfehler möglichst auszuschließen, hat Prof. Schumpe ausnahmslos alle Messungen selbst durchgeführt. Vor Therapiebeginn haben alle PatientInnen ihren aktuellen Bewegungsschmerz mittels visueller Schmerzanalogskala ( VAS) eingestellt.
Der ersten Topometrie folgte die YNSA. Alle PatientInnen sind ausnahmslos sitzend behandelt worden. Der technische Beobachter selbst ist bisher nicht in Akupunktur ausgebildet. Er konnte daher nicht wissen, ob Verum oder Placebopunkte gestochen wurden. Zur Anwendung kamen lediglich Basispunkte und Y-Punkte. Die neuen Punkte der Yamamoto New Chest Acupuncture und die Punkte der pubic area fanden in dieser Studie keine Anwendung, um ein wiederholtes Aus- und Ankleiden überflüssig zu machen. Nach der Therapie erfolgte zunächst die zweite Topometrie, anschließend die Kontrolleinschätzung der PatientInnen über die VAS. Dann wurde die Behandlung beendet, die Nadeln wurden wieder entfernt. Die Nadelverweildauer betrug abhängig von der Dauer der Topometrie drei bis neun Minuten. Per Telefon wurden die TeilnehmerInnen einige Wochen oder Monate nach der Therapie über ihr subjektives Befinden befragt. Die PatientInnen konnten nicht alle im gleichen Zeitabstand telefonisch erreicht werden. Außerdem wurde nur eine Nachbefragung durchgeführt, sodass die hier beschriebenen Werte zu Beschwerdelinderung und Beschwerdefreiheit eine nur untere Einschätzung der wirklichen Dauer der Therapieerfolge aufzeigen.

Ergebnisse

Demographie

104 Personen, davon 103 SchmerzpatientInnen, haben an der Studie teilgenommen. Dabei handelte es sich um 64 Frauen (61.5%) und 40 Männer (38.5%).

Alter

Die jüngste Teilnehmerin war 17 Jahre alt, die älteste Teilnehmerin 87 Jahre. Bei den Männern war der jüngste Teilnehmer 26 Jahre und der älteste 79 Jahre alt.

Diagnosen

Der überwiegende Teil aller TeilnehmerInnen (n=52 / 50%) beklagte Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. 20 ProbandInnen (19.2 %) hatten Schmerzen an der Halswirbelsäule, 12 PatientInnen (11.5%) beklagten Hüftprobleme, 8 (7.7%) Schulter und 7 (6.7%) Kniebeschwerden. Jeweils unter 2 % lag die Häufigkeit bei Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule, der Fußgelenke und der Handgelenke.

Visuelle Schmerzanalogskala (VAS) als subjektives Bewertungskriterium

103 PatientInnen haben ihr Schmerzempfinden mittels VAS vor und nach Therapie ausgedrückt. Die VAS-Werte betrugen im Mittel 63/100 Punkte vor Therapie zu 19/100 Punkten nach Therapiebehandlung. Die Differenz im Mittelwert vorher/nachher betrug Minus 44 Punkte, der Median betrug in der Differenz vorher/nachher Minus 45 Punkte.
Der Vergleich mittels eines t-Testes für gepaart Stichproben lieferte folgendes Ergebnis: der Mittelwert der intraindividuellen Differenzen (nachher-vorher) der VAS-Werte ist signifikant von Null verschieden (Fehler 1. Art =  0.001).

Beschwerdelinderung, Beschwerdefreiheit

Sieben PatientInnen (6.7%) konnten von YNSA nicht profitieren. Sie hatten weder Beschwerdefreiheit noch Beschwerdelinderung. 45 TeilnehmerInnen (43.3%) berichteten über Linderung, 52 TeilnehmerInnen (50%) konnten nach der einmaligen 3-9minütigen Schädelakupunktur Beschwerdefreiheit von unterschiedlicher Dauer erzielen. Das angegebene Maximum für Beschwerdelinderung betrug 113, das Maximum der Beschwerdefreiheit 382 Tage.

Topometrie als objektives Bewertungskriterium

In der objektiven Messung zeigte sich bei sechs PatientInnen (6.4%) eine Verschlechterung der Bewegung, gleich blieb die Bewegung bei 33 PatientInnen (35.1%). Eine objektiv messbare Besserung haben 55 PatientInnen (58.5%) erfahren. Bei 10 Patienten konnte eine topometrische Auswertung nicht erfolgen, dies hatte folgende Gründe: zwei Patienten waren vor der Behandlung auf Grund ihrer starken Schmerzen nicht in der Lage, sich so zu bewegen, dass man die Bewegung für eine Messung hätte auswerten können. Durch Festplattenabsturz und Probleme bei der Datensicherung sind die Messwerte von 8 Personen unwiderruflich verloren gegangen. Von diesen PatientInnen stehen jedoch die subjektive Aussagen über die VAS zur Auswertung zur Verfügung.

Topometrie Gesamtbewertung:

Die sechs Bewertungskriterien der Topometrie müssen unterschiedlich gewertet werden. Das Kriterium mit der höchsten Aussagekraft ist die Harmonie in der Bewegung. Um in der Gesamtbewertung („besser“/ „gleich“/ „schlechter“) die Bewertung „besser“ zu erhalten, muss sich der Bewegungsablauf bei den Testpersonen in mindestens zwei Kategorien eindeutig zum Positiven verändert haben. Daraus ergab sich folgendes Ergebnis: bei 55 Personen (58.5%) konnte nach der einmaligen Akupunkturbehandlung eine Besserung des Bewegungsablaufes objektiv messtechnisch festgehalten werden. Das Ergebnis der ultraschallgesteuerten Aufzeichnung des Bewegungsablaufes wurde mit „gleich“ bewertet, wenn sich nur ein Bewertungsparameter positiv verändert hatte. Bei den PatientInnen, bei denen die Bewegungskurven vor und nach Akupunktur identisch geblieben waren, erfolgte ebenfalls die Bewertung „gleich“. Eine Verschlechterung der Topometrie wurde dann zugrunde gelegt, wenn entweder Bewegungsmuster zu Lasten der Harmonie verändert aufgetreten waren oder mehrere Bewertungskriterien eine Verschlechterung aufzeigten. Als Beispiel kommt hier unter anderem die Zunahme von Nebenbewegungen oder mangelnde Exaktheit in der Reproduzierbarkeit der Bewegung in Betracht.

Abb. 1: VAS (Differenz) und Beschwerdefreiheit/Linderung

VAS /Differenz) und Beschwerdefreiheit/Linderung

Abb. 2: VAS (Differenz) und Topometrie (Gesamtbewertung)

VAS /Differenz) und Topometrie (Gesamtbewertung)

PatientInnen, die keine Verbesserung ihrer Symptome angaben (n=7), hatten im Mittel eine Verbesserung von 20 Punkten im VAS - Score (95%-Konfidenzintervall: [-2;43]).
PatientInnen, deren Beschwerden wenigstens gelindert wurden (n=44), gaben eine Verbesserung von im Mittel 40 VAS - Punkten an, also doppelt so viel (95%-KI: [34;46]).
PatientInnen, die mindestens einen Tag lang beschwerdefrei waren (n=52), hatten eine noch höhere mittlere Verbesserung ihrer VAS - Werte (50 Punkte, 95%-KI: [44;56]).
Der Unterschied zwischen diesen drei Gruppen hinsichtlich ihrer VAS-Werte war signifikant (Varianzanalyse mit linearem Kontrast, p<0.01).
Der Vergleich der beiden subjektiven Parameter VAS und Beschwerdefreiheit/Linderung ergab eine gute Übereinstimmung (d.h. je besser es der Person geht, desto höher ist auch die Differenz in den VAS-Werten). Die VAS-Werte vor der Akupunktur unterschieden sich nicht zwischen den drei Gruppen.

Dies ist der Vergleich zwischen der subjektiven Variable VAS und der objektiven Variable Topometrie (Gesamtbewertung). Auch hier sah man, dass die Differenz der VAS-Werte umso größer wurde, je besser es den PatientInnen, gemessen an der Topometrie, ging.
Personen, denen es lt. Topometrie „schlechter“ ging (n=6), hatten zwar eine mittlere Verbesserung des VAS von 21 Punkten (95%-KI: [7;35]), diese Verbesserung ist aber in den beiden anderen Gruppen (Topometrie „gleich“ (n=33, mittl. Verbesserung=33, 95%-KI:[29;46]) und Topometrie „besser“ (n=54, mittl. Verbesserung=50, 95%-KI: [45;56])) noch stärker zu sehen.
Auch hier ergab die Varianzanalyse mit linearem Kontrast einen signifikanten Unterschied zwischen den drei Gruppen (p<0.01). Hier war es so, dass die VAS-Werte vor der Behandlung in den zwei Gruppen Topometrie „gleich“ / Topometrie „besser“ nicht unterschiedlich waren. Die VAS-Werte vor der Behandlung in der Gruppe Topometrie „schlechter“ waren im Mittel niedriger als in den beiden anderen Gruppen, hier gab es aber auch nur n=6 Patienten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fallbeschreibung

Eine 60jährige Patientin mit Polyarthrose und Guillain Barre Syndrom beklagte vor der Akupunktur Schmerzen in den Schultern/Oberarmen und gab an, nach mehreren Bewegungen der Arme an Kribbelparästhesien zu leiden. Die VAS vor Therapie war 88. Die Patientin wurde über Ypsilon- und Basispunkte bds. am Schädel therapiert. Nach Therapie war die VAS 0. Die Patientin äußerte sich subjektiv: „...die Schmerzen sind weg, das ist ja super...“ (Beschwerdefreiheit 78 Tage, Beschwerdelinderung insgesamt 104 Tage). In der telefonischen Nachbefragung gab die Patientin an, sie habe wieder Bewegungen durchführen können, die sie lange nicht mehr machen konnte. In der Topometrie wurde die Abduktion und Adduktion des rechten Armes nach hinten beobachtet. Die vorliegenden Grafiken zeigen eine eindeutige Verbesserung von Winkelgeschwindigkeit und Winkelbeschleunigung. Auch die Reproduzierbarkeit und die Harmonie der Bewegung ist nach der Schädelakupunktur deutlich verbessert. Subjektives Empfinden und Topometrie stimmen hier überein.

Abbildung 3

Abb. 3: Die Graphik zeigt die Aufzeichnung des Haltungswinkels und dient der Einschätzung von Harmonie und Reproduzierbarkeit.

Abb. 4: Das Bild informiert über die Geschwindigkeit des Bewegungsablaufes vor und nach der Akupunktur

Abb. 5: Darstellung der Bewegungsbeschleunigung

Abbildung 4
Abbildung 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diskussion

Die über die Echtzeit-Ultraschall-Topometrie objektiv ermittelte Effektivität der Yamamoto Neue Schädelakupunktur liegt bei 58.5% (n=55). Das heißt, 55 PatientInnen erlebten eine objektiv gemessene und subjektiv über die visuelle Schmerzanalogskala erfasste Beschwerdelinderung bzw. Beschwerdefreiheit. Diese erstreckte sich im Maximum bis zu 382 Tagen, etwa bei Schmerzen bedingt durch Bandscheibenprolaps.
93.3% aller Personen (n=97) haben die einmalige YNSA subjektiv über die VAS als wirksam bewertet. In diesem Zusammenhang ist auf die Wechselwirkung Arzt/PatientIn hinzuweisen. Bei PatientInnen, die sich bereit erklärt haben, an einer Studie teilzunehmen, kann eine positive Einstellung gegenüber der Akupunktur angenommen werden, ebenso eine positive Erwartungshaltung an das Therapieergebnis. Dabei ist festzuhalten, dass die in dieser Studie vorgelegten Ergebnisse durch eine nur einmalige Akupunkturbehandlung von drei bis neun Minuten Nadelverweildauer erzielt wurden. Das positive Behandlungsergebnis ist somit nicht von einer 20minütigen Nadelverweildauer abhängig. Es ergibt sich die Empfehlung, dieses Therapieverfahren auch im ärztlichen Notdienst / Notarztdienst einzusetzen. Eine Überwachung von Kreislauf und/oder Atmung der PatientInnen wie dies nach intravenöser Schmerzmittelapplikation unter Umständen nötig ist, ist aufgrund der kurzen Nadelverweildauer nicht notwendig. Die durch YNSA erzielten Therapieerfolge erinnern an die Effizienz einer intravenösen Schmerzmittelapplikation. YNSA bewirkt bei 93.3 % der TeilnehmerInnen eine subjektiv sofortige Linderung oder Schmerzfreiheit, die aber noch erheblich länger anhält als die Wirkung eines intravenös applizierten Analgetikums. Bei zwei Männern traten Kreislaufdysregulationen unter der YNSA auf. Einer der beiden war kardial vorerkrankt, der andere Teilnehmer, der einen Nadelkollaps erlitt, war von seiner Frau zur Teilnahme an der Studie überredet worden. Beide Teilnehmer haben das Ereignis gut und ohne negative Folgen überstanden. YNSA-TherapeutInnen sollten demnach in der Lage sein, ggf. erforderliche notfallmedizinische Therapien durchzuführen. Die hier vorgelegten Ergebnisse stellen aufgrund einer möglicherweise schnellen Wiedereingliederung in den Berufsalltag nach Arbeitsunfähigkeit durch Schmerzen einen volkswirtschaftlichen Nutzen in Aussicht, ebenso eine erhebliche Kostensenkung im Gesundheitswesen.
Warum eine einmalige, kurzzeitige YNSA eine über 382 Tage andauernde Beschwerdefreiheit bewirken kann, beantworten neue Forschungsergebnisse zum sog. Schmerzgedächtnis, das sich in der Regel bei PatientInnen, die an chronischen Schmerzen leiden, gebildet hat [4]. Keines der heute zugelassenen Analgetika ist in der Lage, ein bereits entstandenes Schmerzgedächtnis wieder zu löschen. Auch zentral angreifende Analgetika aus der Gruppe der Opioide können das Schmerzgedächtnis vermutlich nicht wieder löschen. Der Einsatz sogenannter Gegenirritationsverfahren wie z.B. transkutane elektrische Nervenstimulation, physikalische Reize (Wärme oder Kälte) oder die Akupunktur können bekanntlich Schmerzen über die Dauer der eigentlichen Stimulation hinaus für Stunden oder Tage hemmen. Die YNSA scheint als therapeutisches Verfahren in der Lage zu sein, Schmerzgedächtnisse besonders schnell und langanhaltend zu löschen. Fraglich erscheint, ob im Gehirn auch falsch eingeübte Bewegungsmuster gelöscht und durch neue physiologische Programme ersetzt werden. Die topometrischen Aufzeichnungen scheinen dies zu bestätigen. Die Beobachtung, dass bei sechs Personen das Bewegungsmuster in der Topometrie nach der Akupunkturbehandlung schlechter geworden ist, deutet daraufhin, dass auch hier die Akupunktur eine gewisse Wirkung auf die Motorik ausgeübt hat. Die Verschlechterung des Bewegungsablaufes könnte eine sog. Erstverschlimmerung sein, wie man sie nach der Gabe homöopathischer Arzneimittel beobachten kann. Die Ursache dieses Phänomens lässt sich aber z.Zt. nicht eindeutig eruieren.
Eine weitere Frage muss nach Abschluss der Studie offenbleiben: wie effektiv wäre die Behandlung z.B. bei der Durchführung durch Herrn Dr. Yamamoto selbst gewesen, d.h. also, wie abhängig ist die Schädelakupunktur von der behandelnden Person? Die Ergebnisse sollten zu weiteren Forschungen motivieren! Die von Dr. Yamamoto im Lehrbuch YNSA aufgezeigten Daten zur Therapie von Paresen z.B. nach apoplektischen Insulten sollten an europäischen PatientenInnen überprüft werden.

Die in dieser Studie vorgelegten und durch objektive Topometrie erarbeiteten Ergebnisse sollten die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland – denen ganz sicher bekannt ist, dass die WHO Akupunktur nicht nur für drei sondern für insgesamt 42 Indikationen 2 empfielt- dazu bewegen, die Sinnhaftigkeit des sog. „Modellprojektes“ Akupunktur gründlich zu überdenken. Mit Hilfe der Topometrie können die Behandlungserfolge der Akupunktur bei PatientInnen mit Rücken- und Gelenkschmerzen auch objektiv ermittelt und gewissenhaft dokumentiert werden. Sollten nicht Behandlung und technische Beobachtung einschl. Dokumentation von verschiedenen Personen vorgenommen werden? Die sicherlich rein zufällig durchgeführte (und bestimmt auch für Arzt und Patient erfolgreiche) Therapie von z.B. Pollinosis oder Asthma im Rahmen des Modellprojektes ist dann allerdings leider mittels Topometrie nicht mehr sauber zu dokumentieren!

Danksagung

Danken möchte ich Herrn Prof. Schumpe, der diese Studie ermöglicht hat. Der Topometrie wünsche ich weite Verbreitung und Einzug in die Forschung.
Mein ganz besonderer Dank gilt Toshikatsu Yamamoto und Reza Schirmohammadi. Beide haben durch die Weitergabe ihres medizinischen Wissens mein ärztliches Handeln entscheidend geprägt und bereichert.

 

 

 

von links: Dr. Schockert, Dr. Yamamoto, Prof. Dr. Schumpe


Das Bild zeigt von links:
Dr. Schockert
Dr. Yamamoto
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Dipl. Ing K.G. Schumpe
Orthopädische Universitätsklinik Bonn
Biomechanik / Biophysik
Sigmund-Freud-Strasse 25
53127 Bonn
eMail: umc908@uni-bonn.de
Tel: +49 (228) 287-6092

 

Literatur

  1. Huskisson, E.C.: Measurement of pain, Lancet 2 (1974) 1127-1131
  2. Kampik, G.: Propädeutik der Akupunktur, Hippokrates (1998) 276, 359
  3. Neugebauer, E. et al.: Schmerzmessung und –dokumentation, Anästhesiologie und Intensivmedizin 12 (1993), 391-397
  4. Sandkühler, J.: Schmerzgedächtnis - Entstehung, Vermeidung und Löschung, Dt. Ärzteblatt 42 (2001) S. B2343
  5. Schumpe, K.G.: Bewegungsmessungen von Körperpunkten und ihr Aussagewert bezüglich der Körpergelenke, VSI-Berichte 882 (1991), 569-581
  6. Schumpe, K.G.: Die Aussagekraft von Ganganalysen am Becken-Bein-Skelett, Z. f. Orthopädie 3, 119 (1981), 306-314
  7. Schumpe, K.G.; Morscher, E.: Ganguntersuchungen und funktionelle Wirbelsäulenvermessungen mittels eines neu entwickelten Echtzeit-Ultraschall-Topometers (EUST) in der Orthopädie, Enke, 69 (1979)
  8. Schumpe, K G; Schockert, Th.: Effizienz der Yamamoto neue Schädelakupunktur (YNSA) bei Schmerzen am Bewegungsapparat; eine topometrisch kontrollierte Studie. Abstract, Deutsche Zeitschrift für Akupunktur, Hauck (2001) 245f.
  9. Yamamoto T., Yamamoto H.: Yamamoto New Scalp Acupuncture, Poster, Springer Japan (1998)
  10. Yamamoto T., Yamamoto H.: Yamamoto New Scalp Acupuncture, Springer Japan (1998)
  11. Yamamoto T: Neue japanische Schädelakupunktur, Chun-Jo, Freiburg/Breisgau (1985)
  12. Yamamoto T., Schockert Th.: Folgen von Schlaganfall und Schmerzen lindern, Naturarzt 8, Access (2000)
  13. Yamamoto T., Schockert, Th.: Mit Schädelakupunktur Schmerzen erfolgreich behandeln, www.ynsa.net

 

 

 

 

Artikel aus Naturarzt Nr. 8. August 2000 
(Dr. Toshikatsu Yamamoto, Dr. Thomas Schockert)

Folgen von Schlaganfall und Schmerzen lindern

Folgen von Schlaganfall und Schmerzen lindernAllein in Deutschland leiden 7,5 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen. Darüber hinaus tritt pro Jahr bei 150 bis 300 von 100.000 Menschen in Deutschland ein Schlaganfall auf. 20 Prozent der Betroffenen sterben unmittelbar nach dem Ereignis. Schlaganfälle sind zudem die häufigste Ursache für Invalidität im Alter. Ein spezielles Akupunkturverfahren zur Linderung von Schmerzen und den Folgen eines Schlaganfalls stellen Dr. med. Toshikatsu Yamamoto und Dr. med. Thomas Schockert vor.

Akupunkturbehandlungen werden nachweislich seit rund 2500 Jahren durchgeführt. Die den meisten Menschen als Nadelakupunktur bekannte Methode stützt sich auf die Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Im Jahr 1963 wurde erstmals über die erfolgreiche Behandlung mit chinesischer Schädelakupunktur bei halbseitig gelähmten Patienten nach einem Schlaganfall berichtet. Die weitere Anwendung dieser Akupunkturmethode ergab jedoch, dass die chinesische Schädelakupunktur doch nicht so erfolgreich war, wie zunächst erhofft. Dies war einer der Gründe für die Suche nach wirksameren Akupunkturpunkten am Kopf. Teils zufällig wurden daraufhin sogenannte Basispunkte am Schädel entdeckt, teils geschah dies auch durch die Mithilfe besonders sensibler Patienten, die eine Rückmeldung über die Gefühlssensationen geben konnten, die sie nach der Nadelakupunktur am Schädel erlebten.

Neue Schädelakupunktur hilft bei vielen Beschwerden

Zur Abgrenzung von der chinesischen Schädelakupunktur heißt die im folgenden beschriebene Behandlungsmethode "Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA)". Neben der Behandlung von Schlaganfallpatienten eignet sich diese Akupunkturmethode vor allem bei folgenden Erkrankungen:

  • Rücken- und Gelenkschmerzen,
  • Migräne,
  • Trigeminusneuralgie,
  • Parkinsonsche Krankheit,
  • multiple Sklerose (MS),
  • Schwindel,
  • Ohrgeräusche (Tinnitus),
  • Sehstörungen,
  • Alzheimersche Krankheit,
  • Fallsucht (Epilepsie),
  • Schlaflosigkeit,
  • Depressionen und andere psychoneurologische Störungen,
  • Kopfschmerzen,
  • Allergien,
  • Schmerzen während und nach einer Gürtelrose.

Besonders gut geeignet ist diese Methode bei chronischen Schmerzen. Ein Fallbeispiel soll dies dokumentieren:

Schmerzhafter Fersensporn
Eine 58jährige Patientin stellte sich mit hochakuten Schmerzen an der linken Ferse vor. Im Röntgenbild war ein Fersensporn zu sehen. Bereits nach der ersten Behandlung berichtete die Patientin über ein angenehmes Wärmegefühl im linken Fuß und ein Nachlassen der Schmerzen um rund 70 Prozent. Insgesamt erfolgten zwölf YNSA-Behandlungen, bis die Patientin völlig beschwerdefrei war. Sie ist es bis zum heutigen Tag geblieben.

Akupunktur am Kopf wirkt auf den ganzen Menschen

Nach der erstmaligen Veröffentlichung 1973 wurde die YNSA kontinuierlich erweitert und ergänzt. Wie bei der Ohroder Hand-Akupunktur handelt es sich bei der YNSA um eine von der klassischen Körperakupunktur zu unterscheidende Methode: Der gesamte Körper spiegelt sich in Mikrosystemen oder Somatotopen (bestimmte Areale mit einer Beziehung zum ganzen Körper) wieder. Bei der YNSA spielt sich die Therapie in erster Linie am Schädel ab. Über Basispunkte werden vor allem Schmerzen und Störungen des Bewegungsapparates sowie Lähmungen behandelt. Innere Erkrankungen werden vornehmlich durch Nadelakupunktur der sogenannten Y-Punkte in der Schläfenregion behandelt. Die Y-Punkte (Y steht für Yamamoto) liegen im Schläfenbereich und sind seit 1980 bekannt. Sie dienen vornehmlich der Behandlung innerer Erkrankungen.

Schließlich bereichern die 1995 entdeckten Gehirn-Punkte und die Aphasie-Punkte die Behandlungsmöglichkeiten insbesondere für Schlaganfallpatienten. Die Gehirn-Punkte können direkt Einfluss nehmen auf Störungen der Gehirnfunktion, beeinflussen Lähmungen und dienen ebenfalls der Schmerzbehandlung. Über die Aphasie-Punkte lassen sich Sprachstörungen behandeln, die sich zum Beispiel als Folge eines Schlaganfalles entwickeln können. Inzwischen sind noch weitere Behandlungspunkte und -areale entdeckt worden, deren Veröffentlichung jedoch noch aussteht.

Eine Erstverschlimmerung bei der Schädelakupunktur ist extrem selten. Die Behandlung wird von den Patienten, was die Schmerzhaftigkeit anbelangt, sehr unterschiedlich beurteilt. Einige Patienten empfinden die Nadelakupunktur als äußerst schmerzhaft, andere wiederum verspüren kaum das Plazieren der Nadel. Für die Behandlung werden die üblichen sterilen Einmalakupunkturnadeln verwendet, die auch bei der Ohr-, Gesichts- und Körperakupunktur zur Anwendung kommen. Patienten, die das Blutverdünnungsmittel Marcumar einnehmen, sollten wegen möglicher Blutungsgefahr nicht mit Schädelakupunktur behandelt werden.

Im Unterschied zur Körperakupunktur muss der Therapeut bei der Schädelakupunktur aus nur fünf Basispunkten vier sensorische Punkte, zwölf Y-Punkte, fünf Gehirn- und einigen Zusatzpunkten seine Wahl treffen. Bei der Körperakupunktur sind über 360 Akupunkturpunkte bekannt. Zudem richtet sich bei der traditionellen chinesischen Körperakupunktur die Punktauswahl nach recht komplizierten Gesetzmäßigkeiten. Bei der Schädelakupunktur gestaltet sich die Durchführung einfacher, da sich die Punktauswahl maßgeblich nach den Ergebnissen der Bauch- oder Halsdeckendiagnostik richtet.

Bauch- und Halsdiagnostik gibt wichtige Hinweise

Was die YNSA von allen anderen bisher bekannten Akupunkturmethoden deutlich unterscheidet, ist die Verknüpfung mit der chinesisch-japanischen Bauchdeckendiagnostik, die ebenfalls eine Erweiterung und Modifikation erfahren hat. Mit Hilfe der Bauchdeckendiagnostik wird genau ermittelt, welche Akupunkturpunkte beim einzelnen Patienten während der Behandlung zur Anwendung kommen. 1988 konnte ein weiteres Areal zur Diagnostik im seitlichen Halsdreieck vorgestellt werden. Die Druckempfindlichkeit eines bestimmten Punktes in einem diagnostischen Areal am Hals oder der Bauchdecke zeigt dem Therapeuten genau an, welcher Akupunkturpunkt genadelt werden muss. Ist die Nadel korrekt platziert, bildet sich die zuvor getastete Druckempfindlichkeit vollständig zurück, das heißt, die Hals- und auch die Bauchdeckendiagnostik eignen sich sowohl zu diagnostischen Zwecken als auch zur sofortigen Kontrolle der Therapie.

Schädelakupunktur auch bei Schwindel erfolgreich

Eine 73jährige Patientin litt seit einigen Monaten an einem sehr starken Schwindel. Medizinisch konnte keine Ursache gefunden werden. Eine Linderung der Beschwerden war nicht Schädelakupunktur auch bei Schwindel erfolgreichin Sicht. Da die Patientin aufgrund ihrer eingeschränkten Beweglichkeit an Gewicht zugenommen hatte, sollte sie sich vor Therapiebeginn wiegen lassen. Der Schwindel war so stark, dass die Patientin nicht ohne Hilfe auf der Waage stehen konnte. Bereits nach der ersten Schädelakupunktur war die Patientin in der Lage, ohne fremde Unterstützung zu stehen und zu gehen. Im Verlauf der Behandlung wurde der Versuch unternommen, die Patientin auf einem Muskel- und Koordinationstrainingsgerät zu behandeln. Nach der zweiten Schädelakupunktur war es der Patientin möglich, freihändig auf der vibrierenden Platte des Trainingsgerätes zu stehen. (siehe Bild). Mittlerweile haben sich die Beschwerden nahezu vollständig zurückgebildet. Das zuvor unsichere Gangbild hat sich wieder normalisiert.

Deutliche Erfolge bei Schlaganfällen

Ziel der Schädelakupunktur ist es, Schmerzen schnell und dauerhaft zu beseitigen und bei Schlaganfallpatienten Lähmungserscheinungen sowie Sprachstörungen weitgehend zurückzubilden. Dazu sind verschiedene Behandlungszeiträume, die für Schlaganfallpatienten zwischen drei Wochen und sechs Monaten liegen können, erforderlich.

Statistische Untersuchungen an 456 Patienten verschiedenster Altersgruppen ab dem 20. Lebensjahr haben gezeigt, dass bei halbseitiger Lähmung 42 bis 49 Prozent der Betroffenen eine deutliche Besserung durch Schädelakupunktur erfuhren. In einer weiteren Untersuchung, von 483 behandelten Patienten, bildeten sich bei 45 Prozent dieser halbseitig gelähmten Patienten die Lähmungen zum größten Teil wieder zurück. 35 Prozent der Untersuchten hatten eine 50prozentige Beschwerdelinderung.

Diese Untersuchungsergebnisse sind um so erstaunlicher, da hier die Behandlungserfolge nur mit den sogenannten Basispunkten erarbeitet worden sind. Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen über Wirkungsgrad und Behandlungserfolge mit den neuentdeckten Akupunkturpunkten und Somatotopen stehen noch aus. Je früher die Behandlung beginnt, desto schneller und effektiver stellt sich ein Therapieerfolg ein. Auch wenn zwischen Schlaganfall und Behandlungsbeginn bereits Monate oder Jahre vergangen sind, kann noch eine erhebliche Besserung für den Patienten erreicht werden.

Aus ethischer Sicht sollte anhand der bisher vorliegenden Erfahrungen die YNSA Schlaganfall-Patienten nicht länger vorenthalten werden. Ergänzend zu den bisher schulmedizinisch etablierten Behandlungsverfahren kann die YNSA die Prognose der Schlaganfallpatienten erheblich verbessern. Dazu ist eine möglichst rasche und intensive Ausbildung vieler Ärzte erforderlich.

In Deutschland, Europa, Japan und Amerika sind bereits zahlreiche Ärzte in Schädelakupunktur ausgebildet worden. Dennoch ist diese Behandlungsmethode leider immer noch sehr wenig bekannt.

Vergleicht man die Effizienz der Körperakupunktur mit einem Kieselstein, der in einen See geworfen wird, so ist die Schädelakupunktur in ihrer heilenden Wirkung vergleichbar mit einem Pflasterstein, der in einen Gartenteich geworfen wird.

Weiterführende Literatur:

Yamamoto, T.: Neue japanische Schädelakupunktur
Yamamoto, T. und H.; YNSA, Springer Japan

 

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